
Lehrer und Schüler haben ein Recht auf eine angstfreie Schule. So wie auf dem Bild der freie Zugang zur Ostsee möglich ist, weil die nur für Sturmfluten gedachte Barriere entfernt wurde, muss der Zugang zur Bildung barrierefrei für alle möglich sein. Ziel der Politik von Bündnis C ist es, die Schulen zu angstfreien Räumen für Lehrer und Schüler zu machen.
Die Ursachen von Angst in der Schule sind:
- Überforderung
- Bloßstellung
- Herabsetzung
- Prüfungs-und Versagensangst
- Soziale Ausgrenzung
Eine angstfreie Schule lebt eine ausgewogene und individuell abgestimmte soziale Beziehung, die Bindung ermöglicht ohne die jeweils individuelle Wohlfühldistanz zu missachten. Sowohl das Fördern wie auch das Fordern finden im Hintergrund statt. Jede Schülerin und jeder Schüler erhalten unabhängig von der persönlichen Leistungsfähigkeit die gleiche Wertschätzung. Auch schwächere Schüler bekommen ausreichend Zeit ihre eigenen Talente zu entwickeln, selbst wenn die vorhandenen Fähigkeiten nicht im Lehrplan enthalten sind. Schüler die sich mit der Nähe und Enge einer Schule ihre Probleme haben, können heute auch zu Hause hybrid unterrichtet werden. Präsenz- und Fernunterricht ermöglichen kleinere Schulklassen und größere Freiheiten. Durch ein zeitversetztes Lernen kann auch darauf Rücksicht genommen werden, dass die Leistungsfähigkeit vom Menschen zum Menschen zu unterschiedlichen Tageszeiten schwankt.
Die Angstfreiheit im Klassenzimmer kann an einer weitgehend angstfreien Schule am Bedürfnis der Einzelnen in Präsenz unterrichtet zu werden, abgelesen werden. Um so weniger Schüler die gute Atmosphäre in der Klasse suchen, um so mehr wird eine soziale Ausgrenzung, Bloßstellung und Herabsetzung von ihnen gefürchtet. Ich war zunächst in einer Dorfschule. Meine Schulklasse bestand aus zwei Mädchen und einem Jungen. Der Lehrer unterrichtete die Klassen 1-8 parallel. Hausaufgaben waren selten. Obwohl es zu meiner zeit noch einen Rohrstock gab, den der Lehrer auch zur Züchtigung einsetzte, erlebte ich eine weitgehend angstfreie Schulzeit. Beim Wechsel auf das Gymnasium erlebte ich die Nutzung eines modernen Sprachlabors für das Erlernen einer Fremdsprache. Wir wussten nicht, wann der Lehrer beim Erlernen der Sprache mithörte und anfing Kritik zu üben. Wir hatten das Gefühl der persönlichen Überwachung. Dies erzeugte Angst. Die Freude am Lernen ging verloren. Das System des Sprachlabors erzeugte Prüfungs-und Versagensangst. Der Zugriff des Lehrers führte zur Bloßstellung und Herabsetzung.
Nur eine angstfreie Schule setzt die Potentiale der Lernenden frei und ermöglicht ein erfolgreiches Lernen für alle. Für unsere Gesellschaft wünsche ich mir weniger Zwang durch ein Lernen in geschlossenen Schulräumen und mehr Freiheit an schönen Orten zu lernen und selbst auswählen zu können mit welchen Mitschülern ich lernen will.
Als Erwachsener konnte ich berufsbegleitend Betriebswirtschaft und Gesundheits- und Sozial-Ökonomie studieren. Die Vorlesungen fanden von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr und samstags statt. Dies waren meine Tageszeiten. So machte das Lernen Spaß und brachte mit wenig zeitlichem Aufwand guten Erfolg und machte dazu noch große Freude.
Der Schulalltag benötigt eine grundsätzliche Reform. Politisches Ziel muss es sein, allen Schülern ein angstfreies Lernen zu ermöglichen.
Hans Martin Konzelmann
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